Libanon Drei – Meine Reise zu den Heiligen des Libanon (2022)

 

 

 

 

Das Original in Premium-Qualität

 

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und exklusiv hier auf wilfi.de

 

 

Wohltuende Fünf-Sterne-Reiseberichte für eine Welt im Wandel 

 

 

           Außen Reisebericht, innen viel Spaß         
I like to entertain you
 

 

 

Libanon Drei

Eine kurzweilige Reise durch den Libanon

 

 

Erneut Klöster, Kirchen und Kapellen – und doch ganz anders


Holy Mary of Bechuat, St. Charbel, Ste. Rafqa, St. Neematullah, St. Estephan


Ganz alleine, 
nur mit meinem libanesischen Freund Nassib

 

 

Beirut,

Annaya, Tannourine Cedar Forest, Batroun,

Kfifan, Bechuat, Baalbek, Anjar,

Rashaya, Sidon und Deir-al-Qamar.

 

 

Viel mehr als nur ein Reisebericht

Alle hier geschilderten Ereignisse beruhen auf wahren Begebenheiten

Klimaneutral geschrieben

 

 

 

 

September 2022

Letztes Update 20.11.2022

 

Wilfried „Mr. Willy“ Virmond

Achtung, alte Rechtschreibung!

Optimiert für Tablet und PC

 

 

Anjar (Libanon)

 

Nach dem mehrmaligen, sorgfältigen Studieren der aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts für den Libanon grübelte ich oft darüber, ob ich meine schon lange geplante Reise in den Libanon tatsächlich noch antreten oder womöglich doch vernünftigerweise stornieren oder wenigstens erneut verschieben sollte. (Zwei andere Reisen hatte ich zwischendurch bereits abgesagt. Mit allen finanziellen Nachteilen.) Doch ich brauche unbedingt mal wieder etwas Me-Time für mich, um vom Alltag und den täglichen Problemen abzuschalten. Allerdings: Es gibt im Libanon mindestens achtzehn Religionen, noch mehr Parteien und ganz viele Gruppierungen im Land, die sich im Parlament alle ununterbrochen attackieren und beschimpfen, streiten und hauen, befehden und bekämpfen. Und jeder einzelne Parlamentarier will nur seine eigene Tasche noch mehr füllen. (Okay, das ist ja bei uns ganz genauso.) Da ist vernünftige Politik völlig unmöglich. Was sich natürlich voll auf das Leben im Libanon und auf die aktuelle Sicherheitslage auswirkt. Und die wollen alle auch gar nicht, daß ich den Libanon besuche. Hinzu kommt, daß es wohl nie Ruhe in diesem stark gebeutelten Land geben wird. Der Libanon ist schon seit dem Bürgerkrieg in den 60er Jahren kein Reise- oder Urlaubsland mehr. Wenn ich vernünftig wäre, würde ich mir also ein ganz anderes Land für meine Urlaube aussuchen!

Auswärtiges Amt: Libanon, Reise- und Sicherheitshinweise

Au weia, was man da alles an Negativa beim AA liest, klingt jedes Jahr schrecklicher! Das war letztes Jahr schon schlimm und ändert sich wohl auch alles nicht mehr zum Besseren. Was’n jetz‘? Soll ick trotzdem? Oder soll ick nich‘? Soll ich wirklich auf meinen fetten, faltigen, runzligen Arschbacken zu Hause sitzenbleiben? Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Jeder in meinem Umkreis rät mir dringend von dieser Reise ab. Für mich persönlich steht es dagegen Fifty-fifty. Ich muß und werde knobeln. Naja, Ihr seht ja, wie es ausgegangen ist. Alea iacta est. Der Würfel ist geworfen. Und damit ist die Entscheidung endlich getroffen. Ich hab ja schon immer das Risiko geliebt. Un‘ jetz‘ freu ick mir endlich auf meine neue Reise. Ich bitte Euch deshalb, drückt mir bitte alle Eure Däumen, wie meine Freundin Biggi so gerne sagt.

Langweilige Wohlfühl-Pauschalreisen hab ich früher zur Genüge getan. Ich will und brauche Abenteuer auf meinen Reisen. Deshalb mach ich meine Reisen schon lange nur noch unorganisiert. Schließlich ist mein zweiter Vorname „Der keine Angst hat“.

Eigentlich dachte ich, nach zwei Libanonreisen wüßte ich, wie dort der Hase läuft und wollte dieses Mal besonders kühn sein und endlich ganz alleine reisen. Aber ich höre dann letztlich doch auf den offiziellen Rat, nach Möglichkeit nicht alleine im Land herumzufahren und lade erneut kurzerhand meinen im Libanon lebenden guten Freund Nassib ein, mich dort zu begleiten – und er sagt auch sofort begeistert zu.

Alleine wäre mir ja hundertmal lieber, aber die Vernunft siegt immerhin bei dieser Entscheidung. Immer wieder kommt es im Land zu Demonstrationen, Überfällen, Schießereien, Scharmützeln und anderen Schwierigkeiten. Vor allem auch mit den dortigen „Ordnungskräften“, sprich Polizei und Militärleuten. Da heißt es, besonders vorsichtig zu sein! Die sprechen meist kein Englisch oder Französisch. Jeder weiß, mit Dummköpfen, Entschuldigung, mit solchen Leuten kann man nicht reden oder gar verhandeln. Und niemand kennt sich besser im Libanon aus als ein Libanese. Noch dazu als ehemaliger Offizier. Deshalb bin ich dann letzten Endes doch erleichtert, Nassib wieder bei mir im Team zu haben. Er wird mir beistehen, falls ich in irgendeinen Schlamassel kommen sollte.

Sei es wie es sei, ich hoffe mal, daß ich trotz aller Unkenrufe heil und gesund wieder nach Hause zurückkommen werde. Schließlich war ich in meinem Leben schon so oft in großer Gefahr und so manches Mal sogar in akuter Lebensgefahr – und doch ist immer alles gutgegangen. Mir scheint die Sonne ja schon mein ganzes Leben aus dem Allerwertesten. Also: Inshallah!

(Ja, okay, ich seh’s ein, vielleicht müßte ich das auf meine alten Tage nun doch endlich mal ändern. Mein Schutzengel ist inzwischen ja auch älter geworden…)

Im Libanon gibt es eine ganze Reihe verstorbener Heiliger, die verbürgte Wunder getan haben und auch heute noch bewirken. Da hab ich etwas Hoffnung, daß das eine oder andere Wunder auch noch auf mich abfallen und mir mein Leben erleichtern könnte. Auch mein Freund Nassib hört nicht auf, mir sein Land als Paradies und die Heiligen dort als Helfer in der Not zu empfehlen. Da könnte man es ja mal wieder versuchen. Zusätzlich gibt es im Libanon auch noch eine sehenswerte und oft auch spektakuläre Landschaft zu bestaunen. Eine Reise dorthin wird sich also in jedem Fall lohnen. So oder so. Hoffe ich. Nein, ich bin mir sicher! Also Yallah!

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster. Und die Tür. Und geht hinaus. Meine Wenigkeit. Auf eine Reise in den Libanon, die ich ja jetzt schon ein paarmal verschieben mußte. Und damit geht es jetzt endlich los.

 

***

 

Der Flug mit MEA ist rasch und leicht gebucht. Lufthansa ist mir wegen der ständigen Streiks viel zu unsicher. Und der Service dort zu mies. Brauch ich nicht.

Buchung der ersten beiden Hotelnächte und des Mietwagens habe dieses Mal ich selbst übernommen! Nassib setzte da bisher andere Präferenzen…

Großes Gepäck nehme ich nicht mit. Zu viele Probleme in Frankfurt. Kürzlich, vor ein paar Wochen, im Sommer 2022, gab es ja bekanntermaßen unendlich viele Probs beim Einchecken und beim Gepäck. Warum sollte ich mir solch einen Streß und nach der Ankunft die langweilige, nervtötende Warterei am Kofferband antun? Ich bin ja ein erfahrener Traveller und mir genügt schon länger ein kleiner Koffer als Handgepäck. Da ist alles drin, was man braucht und damit bin ich unabhängig. Und ich habe bisher noch immer jemand gefunden, der mir zwischendurch rasch mal meine schmutzige Wäsche durchwaschen wollte. Notfalls bin ich mir auch nicht zu schade, diese leichte Aufgabe auch mal selbst zu übernehmen. (Ja, okay, geht natürlich nur, wenn man alleine unterwegs ist und auf manchen unnötigen Ballast verzichten kann. Ist mir schon klar. Mit ’ner ganzen Familie hinter sich geht das nicht.)

MEA (Middle East Airlines) fliegt offenbar fast ausschließlich nur noch mit Airbus A321neo. Die sind neu und ganz angenehm. Die Stewardessen sind hilfsbereit und hübsch anzusehen. Platz hat man hier vorne auch genug. Geradezu großzügig. WLAN in the air gibt’s auch. Ich fühl mich hier gleich sehr wohl und schüttle ständig meinen Kopf über meine eigene Blödheit, letztes Mal mit LH nach Beirut geflogen zu sein!

An Bord gibt es wohlig warme Decken und coole Kuschelkissen. Essen und Trinken ist auch okay. Da macht solch ein Flug doch voll Spaß. Sind ja auch nur vier Stunden (dreitausend Kilometer) nach Beirut.

Im Flughafen Frankfurt ging vorhin alles flott und leicht und lockerflockig voran. Auch wenn es erst umständlich mit dem Vorfeldbus zum Flieger ging.

Canadian Lounge in FRA. MEA ist nicht mehr Mitglied der Star Alliance. Deshalb auch keine LH-Lounge mehr.

Trotzdem, ich hab ein gutes Gefühl, ungeachtet der vielen mir vorhergesagten Gefahren im Libanon. Naja, mal seh’n.

Ich fliege gerne mit MEA. Lufthansa fliegt auch Beirut an. Aber die sind mir zu unfreundlich und zu überheblich, von den oft – ich bitte um Entschuldigung für meine Offenheit, es ist meine persönliche Meinung – von den oft überalterten Stewardessen mal ganz abgesehen. (Ja, ich weiß, ich bin selbst auch alt und häßlich. Aber ich arbeite ja auch nicht als Stewardess. Und: Früher, ganz ganz früher, in den 50er, 60er, 70er Jahren, waren Stewardessen noch Stewardessen und keine Flugbegleiterinnen und immer ausgewählt hübsch. Diese Erinnerungen stecken halt noch immer in meinem Kopf.) Meiner Meinung nach gehört LH ja schon lange nicht mehr zu den Premium-Airlines. Service am Boden (in FRA) grottenschlecht oder vielmehr gar nicht existent. Die MEA-Leute in Frankfurt und Beirut dagegen waren schon ein paarmal recht freundlich und hilfsbereit.

Ankunft auf Rafic Hariri International (BEY) in Beirut ist diesmal super einfach. Alles hat sich hier wieder normalisiert.

Ruckzuck bin ich draußen. Mein Freund Nassib erwartet mich bereits zusammen mit meinem weiteren Freund Alain am Ausgang.

Überraschung: Die halbe Familie Alains kommt kurz darauf angefahren, nur um mich zu begrüßen. Leider müssen sie fast alle gleich wieder zurück nach Hause. Immerhin vierzig Kilometer. Ein Weg.

Alain fährt uns beide mit seinem GMC in die Stadt. Eveline und Jean-Pierre (oder ist es Jean-Paul?, es sind Zwillinge) begleiten uns.

Unser Hotel liegt in einem Gäßchen direkt an der berühmten Hamra Street (Rue Hamra). Diese Straße gab es bereits im fünfzehnten Jahrhundert. Bis zum Bürgerkrieg Mitte der 1960er Jahre war sie eine der wichtigsten Einkaufsstraßen hier in der City. Damals nannte man sie auch die Champs Elisée Beiruts, wegen der vielen Touristen und wegen der vielen eleganten Luxusläden. Aber auch in den heutigen Tagen verströmt sie noch immer Flair und Anziehungskraft. Ich bin sehr froh, ein kleines Hotel hier in der Nähe ausgewählt zu haben. Ursprünglich hatte ich ein anderes, viel größeres und langweiligeres Fünf-Sterne-Hotel mit Blick aufs Meer favorisiert. War irgendwie wieder mal Zufall. „Ick sach nur Trüffelschwein…“

Für meine nächste Libanonreise hab ich mir bereits ein anderes Boutique-Hotel ganz hier in der Nähe ausgesucht.

Unser Hotel ist dank Google Maps leicht zu finden, ohne wäre es wohl etwas schwieriger. Zuerst sind wir im ersten Stock untergebracht. Gefällt mir nicht hier unten. Da dauert es ja ewig, bis das Licht hier unten ankommt. Trotz Lichtgeschwindigkeit. Deshalb wechseln wir gleich in die siebte und oberste Etage. Hier oben gibt’s viel mehr Licht, Luft, Sonne und Freiheit. Ich liebe es ganz besonders, wenn wenigstens die Sonne mich morgens wachkitzelt. Unsere Suite hat zwei Räume. Plus Küche, Bad, Terrasse. Nassib muß auf dem Sofa im Wohnzimmer schlafen.

Nach dem Einchecken gibt es lecker Abendessen um die Ecke, nicht weit entfernt, hab jetzt echt keinen Bock mehr, noch weit rumzulaufen. Man sollte sich aber auch gleich vergewissern, daß es ein christlich geführtes Restaurant ist. Ein moslemischer Besitzer würde kein Bier herausgeben.

Die Nacht ist hervorragend. Ich schlafe wie ein Stein. War doch etwas anstrengend gestern. Oder eins der kleinen Fläschchen Beirut-Bier hat mich weggeballert. Was mich an den früher oft gehörten Spruch erinnert: Blau ist nicht nur eine schöne Farbe, Blau ist auch ein angenehmer, schöner Zustand…

Heute ist Stadtbesichtigung angesagt. Wollte ich schon auf den beiden vorherigen Libanonreisen machen. War nur irgendwie keine Zeit.

Beirut. Die Stadt ist sieben Jahre alt und fünftausendmal zerstört worden. Oh, sorry, natürlich ist es umgekehrt: Fünftausend Jahre alt, siebenmal zerstört. Eine Stadt mit einer unglaublich wechselvollen und aufregenden Geschichte. Auf jeden Fall kann sich keine unserer europäischen Städte von der Bedeutung her mit Beirut messen. Ausgenommen vielleicht Rom. Und altersmäßig sind die Städte hier in der Levante ja auch unschlagbar, von ihrer Kultur schon gar nicht zu sprechen.

Wikipedia: 5.000 Jahre Beirut

Sonnig und warm, nachmittags wird es sehr warm, bis 28° C. Nachts saukalt. Und so wird es alle Tage bleiben. (Regen gab es auf unserer Tour nie.) Ende September ist noch eine gute Reisezeit für Libanon. Oktober dann nicht mehr.

Wir fragen den Hotel-Typ in der Lobby nach einem günstigen Geldumtausch. Er holt seinen Roller raus, fährt kurz weg und ist gleich wieder zurück. Er gibt mir ein dickes Bündel Geldscheine (über sieben Millionen Libanesische Pfund) im Tausch gegen meine zweihundert Euro. (Letztes Jahr waren das nach meiner Erinnerung noch „lächerliche“ 350.000 LBP! Das nennt man Hyperinflation. Da muß es doch bald knallen…)

Umrechnungskurs ist unglaublich günstig gegenüber dem offiziellen Kurs. Und auch korrekt und fair. Meine App zeigt mir dagegen einen grottenschlechten Umrechnungskurs an, deshalb vergesse ich sie gleich; funzt halt nicht im Libanon. Hier gelten ganz andere Gesetze…

Zunächst üppiges Frühstück auf der Terrasse eines Cafés gegenüber des amerikanischen Universitäts-Krankenhauses. Ich bestelle mir meine geliebten Eggs Benedict. Dazu ein wahrhaft vorbildlicher Cappuccino. Nein, zwei, weil der erste einfach perfekt war. (Wie heißt eigentlich der Plural: Cappuccini oder Cappuccinos?) Dann laufen wir los.

Nassib nennt mich Mr. Willy. Ich nenne ihn Mr. Nassib. Klingt witzig, wir sind ja per Du, also ohne das „Mr.“. Wir sprechen Englisch miteinander. Nach ein paar Minuten kommen wir auch sogleich an einem meiner eigenen Läden vorbei:

Da Beiruts Innenstadt (wir sind hier in „West Beirut“) wirklich sehr übersichtlich ist, geht eine Stadtbesichtigung ganz einfach. Es soll sogar die bekannten Hop-on-Hop-off-Busse geben, ich habe aber keine gesehen. Zuerst geht’s an die Corniche runter, der wunderschönen Uferstraße am Meer, und am Bootshafen mit sündhaft teuren Yachten vorbei. Hier sieht’s aus, wie in jeder anderen Großstadt rund ums Mittelmeer. Von all den vielen Schwierigkeiten im Land ist hier nichts zu erkennen. Wir könnten genauso gut in Nizza, Cannes, Marseille sein.

Weithin sichtbar ist die Ruine des 1975 zerstörten Holiday Inn Hotels mit seiner leidvollen Geschichte.

Holiday Inn Beirut

Direkt daneben und drumherum viele glitzernde Luxushotels und andere Hochhäuser. Es folgen Märtyrer-Denkmal, die Muhammad-al-Amin-Moschee, die wir aber nicht betreten, und direkt daneben die große Saint George Maronite Cathedral, eine sehr schöne Kirche. Dann der Uhrturm auf dem Place de l’Etoile neben dem Parlament und den Ministerien (ohne jeglichen Verkehr, da aus Sicherheitsgründen von Soldaten hermetisch abgeriegelt), vorher noch das fast unsichtbare Mausoleum von Rafic Hariri, (nur ein paar unspektakuläre graue Steinplatten im Boden), dann die Ruinen des Romanischen Forums, der vornehme Beirut-Souk mit der „I love Beirut“-Schrift, (eine riesige, teure Einkaufs-Mall, lohnt sich allerdings nicht, total leer, fast alle Stores sollen geschlossen sein) und zum Schluß die Ruinen der Römischen Thermen.

Die orthodoxe St. George Cathedral ist die älteste Kirche in Beirut, klein, aber von beeindruckender Schönheit. (Ja, es gibt offenbar mehrere St. George-Kirchen und Kathedralen in Beirut.) Nachdem der erste Bau durch ein Erdbeben im Jahr 551 zerstört wurde, wurde sie wiederaufgebaut und erlitt nach einem weiteren Erdbeben im Jahr 1759 erneut schwere Schäden. Schließlich wurde sie 1772 mit dem heutigen Grundriss erneut aufgebaut. Im libanesischen Bürgerkrieg in den 1970er Jahren wurde sie erneut zerstört und aufgebaut. Unter der Kirche haben wir im Crypt Museum alte Reste der ursprünglichen Kirche bestaunen können.

Die berühmte Mall (Souq bzw. Suk) mit hunderten Edel-, Luxus- und normalen Geschäften ist tatsächlich fast komplett leer. So gut wie keine Besucher. Die meisten Läden sind geschlossen oder sogar ausgeräumt. Keine Touristen mehr. Echt schade. Ich möchte mir gar nicht erst vorstellen, wieviel Geld hier versenkt worden ist. Und was der Unterhalt jeden Tag verschlingt.

Fast sämtliche Ampeln in Beirut sind „mehr oder weniger außer Betrieb“, sprich demoliert, umgefahren, kaputt, tot. Es würde sich auch niemand daran halten. Ich nenne den Verkehr hier ganz einfach „libanesisch“…

So langsam geht es wieder zurück. Wir haben inzwischen eine große Schleife gedreht.

Römische Thermen

Übrigens: Sämtliche Banken in Libanon sind geschlossen. Immer. Man kann und darf dort kein Geld abheben, um einen Ansturm auf die Banken zu vermeiden. Wegen der katastrophal schlimmen Inflation. Geld bekommt man nur noch in kleinen Beträgen an den ATMs. Mit oft längeren Schlangen davor. Manchmal sind auch die Geldautomaten nicht in Betrieb oder leer. Trotz dieser Knappheit an Bargeld fahren auffällig viele teure Luxus-Autos herum. Ferrari, AMG-Mercedes, Corvette, erstaunlich viele Camaros, 7er BMW, Audi, Porsche, ein fetter Maserati SUV. Sogar eine aktuelle 1800er GoldWing kam mir auf meiner Reise mal entgegen. Und auch ein Maybach schämt sich nicht, hier herumzufahren.

Fahrzeuge werden im Libanon immer bar bezahlt. Ich habe Nassib und ein paar weitere Leute dazu befragt. Niemand weiß, wie die Leute die Fahrzeuge bezahlt haben bzw. bezahlen konnten. Oder will es wissen. Oder mir sagen. Naja, als früherer Geschäftsmann ahne ich da eine gewisse Lösung…

Außerdem sollen hier eine ganze Reihe schlecht reparierter Unfallautos, die vorher mal Totalschäden waren, herumfahren. Sind wahrscheinlich etwas billiger, aber unter den gegebenen und oben beschriebenen Umständen bestimmt immer noch reichlich teuer. Etwas Vergleichbares wie unseren TÜV/Dekra o.ä. gibt es übrigens nicht im Libanon.

Zwischendurch besorge ich mir endlich eine SIM-Karte für kleines Geld und habe damit reichliche 6 GB-Internet und genügend inländische Telefoneinheiten.

Nachmittags macht Nassib schlapp. Dabei ist er erst 58. Aber viel zu fett. Und untrainiert. Okay, kann ja nicht jeder so sportlich sein wie ich. Waren doch nur sechzehn gemütlich gelaufene Kilometer, sogar mit Essenspause zwischendurch.

Zurück geht es an vielen weiteren modernen Hochhäusern entlang. Zum Schluß noch über den Hof und Parkplatz des amerikanischen Krankenhauses.

Ein paar weitere Ziele hebe ich mir fürs nächste Mal auf. Zum Beispiel das berühmt-berüchtigte Rotlichtviertel Borj el Barajneh. (Eine arabische Liebesdienerin habe ich bisher noch nicht kennengelernt. Japanerinnen und Chinesinnen wären auch noch interessant, aber die werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr näher kennenlernen.) Und dann gibt’s hier auch noch eine Handvoll wichtige Museen. Naja, mal sehen…

Unglaublich, der Libanon hat kein Geld mehr und trotzdem sehe ich überall viel, sehr viel Luxus und ganz viele reichaussehende Menschen. Dazu unzählige moderne Apartment-Hochhäuser allenthalben. Sehr widersprüchlich.

Zurückgekommen kann Nassib gar nicht mehr, er ist wirklich total platt, keine Kondition, woraus folgt, daß ich unser Abendessen alleine einnehmen muß. Okay, dank Google-Übersetzungs-App ist es ja inzwischen supereinfach geworden, arabische Speisekarten zu übersetzen. Allerdings sollte man abends im Dunkeln seinen Weg besonders sorgfältig wählen und aufpassen, wo man rumläuft. Es gibt reichlich viele dunkle Ecken, Gassen, Plätze, vor denen ich heute schon mehrmals gewarnt wurde. Die Stromversorgung (und damit auch die Straßenbeleuchtung) im Libanon ist, wie alles hier, katastrophal schlecht. Auch in Beirut. Also lieber mal freiwillig die Straßenseite wechseln oder sogar mal umdrehen und einen andern Weg wählen. Eine erste Zigarre rundet diesen guten Tag ab.

Am nächsten Tag geht es dann zum Airport. Ich schlage Taxi (für umgerechnet ca. 17 Euro) vor. Taxameter soll es übrigens keine geben, Fahrpreis also offenbar immer Verhandlungssache. (Tipp: Noch besser und viel seriöser soll ein Uber-Auto sein.) Doch Nassib will mir Geld sparen und deshalb nehmen wir einen kleinen Bus. Linie 12. Kommt alle paar Minuten. Is‘ mir natürlich recht; Taxi ist langweilig und kann jeder. Während wir auf einen der nächsten Busse warten, nehmen wir ein kleines, einfaches, schnelles Frühstück ein.

Kaffee kommt gleich noch

Und da kommt er auch schon:

Man muß das Fahrgeld immer passend haben und während des Einsteigens beim Fahrer bezahlen. Wechselgeld zurück geht nicht und gibt’s auch nicht! Ist ganz praktisch und kostet wirklich nicht viel. Unterwegs an einem Sammelplatz Umsteigen in den vordersten Bus derselben Linie. Zwischendurch steigt ein Kontrolleur zu, der Fahrgäste und sogar den Fahrer kontrolliert. Später, nach zwanzig, dreißig Minuten, unterwegs aussteigen. Dann noch ein Stückchen (500 Meter) laufen, und ein weiterer, alter, kleiner und bedauernswerter Toyota-Bus der Linie 8 fährt uns beide schließlich in weiteren zehn Minuten direkt und endgültig zum Flughafen. Alles ganz easy. Wenn man weiß, wie’s geht.

„Komm schon. Steig ein. Der Sitz beißt nicht…!“ (Naja, ein bißchen Sorge hatte ich schon um meine edlen Teile.)

Hier übernehme ich unseren Mietwagen. Statt des gebuchten und versprochenen roten „BMW X1 oder vergleichbar“ gibt es allerdings nur einen schwarzen Mini Cooper Countryman, angeblich ein SUV, mit Allrad. Yep, der mit dem angeblichen „Go-Cart-Feeling“. Okay, hab ich auch gar nicht anders erwartet, der BMW diente nur als Lockvogel.

Diesmal fahre ausschließlich ich! Ein weiterer Fahrer würde extra kosten. Und Nassibs Fahrweise kenne ich ja zur Genüge. Hab ich echt keinen Bock mehr drauf! Also hab ich mir das Geld dafür gespart. Und er kann endlich mal lernen, wie man anständig und trotzdem flott autofährt.

Und auf geht’s! Erst nochmal zurück in die Stadt und zu unserem Hotel, um unser dort zurückgelassenes Gepäck einzuladen. (Wollte ich so. Die Vermietungsfirma hätte uns das Auto wahrscheinlich auch geliefert.) Dann weiter durch die Stadt und in nördlicher Richtung ein kurzes Stück auf der Schnellstraße am Mittelmeer entlang und schon sausen wir auf dem Highway rauf in die Berge. Oft vierspurig. Wenig Verkehr. Gut ausgebaut. Kurve nach Kurve. Da kann ich Nassib mal zeigen, wo der Frosch die Locken hat, bzw. was man als Deutscher unter „Kurventechnik“ versteht. Dieses Wort gibt es wahrscheinlich gar nicht im Arabischen, so wie die hier alle durch die Kurven eiern. Es sind allerdings meistens auch nur Frauen am Steuer. Immer mit Sonnenbrille. Ja, komisch, is‘ aber so. (Der Gefahr, beim Fahren allzu „fahrlässig“ zu werden, muß ich allerdings größte Aufmerksamkeit widmen! Übermut ist doof, wie wir alle wissen.) Obwohl, leider, der Mini hat nicht allzuviel PS und Paddles fehlen ihm auch.

Wow! Läuft! Macht Spaß! Echt geil! Very cool! Yallah! Ick gloob, ick hab ’ne Art Flow! Nassib macht sich unterdes offenbar Sorgen, er hat Angst und jammert ständig was davon, daß wir doch noch soo viel Zeit hätten. Bestimmt drückt er jetzt beim „Selberbremsen“ ständig neue Dellen in den Fußraum, so wie ich früher mit ihm am Steuer. Entspannt sieht jedenfalls anders aus. Aber wir sind ja nicht zum Spielen hier! Jetzt kann er mal fühlen, was er mich so oft hat spüren lassen. Sein Gejammer hör ich erst gar nicht und laß es einfach an mir abprallen. Nur, daß ich im Gegensatz zu ihm Profi bin und Fahren kann. (grins)

Am frühen Nachmittag folgt eine üppige Mahlzeit. Und natürlich fahr ich auch längst wieder brav. Alle Tage. Waren nur die beiden Schnellstraßen am Meer und vor allem in die Berge hoch. Das mußte sein! Die waren einfach nur geil.

Übernachtung in einem kleinen Hotel in der Nähe von Annaya. Alles ist bei unserem Eintreffen dunkel. Ich frag mich heute immer noch, wie wir das versteckt gelegene Hotel ohne Google, jegliche Schilder und Beleuchtung haben finden können. Wir brauchen Taschenlampen, um uns beim Check-in zurechtzufinden und um die Treppe rauf in unser Zimmer zu gelangen. Der Angestellte verspricht uns, gleich („in five minutes“, in Wirklichkeit nach einer halben Stunde) den Generator anzuwerfen, damit wir endlich ein paar Stunden Strom haben, der dann aber nachts nicht mehr da ist. Da weiß man dann später doch die segensreiche Erfindung der Taschenlampen-App im Handy zu schätzen, wenn man mal nachts ins stockdunkle Bad muß, um dort die Bequemlichkeit aufzusuchen. Vor allem, wenn es dort so dunkel ist, wie beim Bär, wo nie die Sonne hinscheint…

Dies ist die erste Nacht im Libanon ohne Strom. Weitere folgen. Leider. Aber kenn ich ja von früher.

Neue Überraschung: Alains fast komplette Familie trifft abends beim Abendessen ein und ißt mit uns. Sie bleiben bis morgen Abend. Nach dem von reichlich Arrak begleiteten Dinner gibt es noch einen Umtrunk auf unserer übergroßen Terrasse. Whisky, Cola, Knabberzeugs, Wasserpfeife. Es wird kalt. Saukalt. Eigentlich so kalt wie bei uns nachts. So zwischen 10 und 15 °C. Aber es ist ja auch Ende September. Wenigstens ist immerhin noch der Strom da.

War offenbar etwas viel Whisky…

Heute ist Sonntag. Morgens bekomme ich ein nachträgliches Geburtstagsständchen mit einem kleinen Geburtstagskuchen und „Feuerwerk“.

Schlechte Nachricht von Alains Zuhause: Die Familie muß heute Morgen gleich wieder zurück nach Hause. Christine, die dort zurückgelassene jüngste Tochter, braucht Hilfe, und deshalb lassen sie uns beide schon wieder allein. Dieser Sonntag war ganz anders geplant, aber so ist das Leben! Schade.

Dann geht es kurz hinüber zum Kloster Monastery of St. Maroun. Hier liegt der von mir hochverehrte Heilige Saint Charbel in einem wunderschönen braunen Holzsarg. Oder ist das ein Schrein? Eigentlich ist ein Schrein ja mit viel mehr Gold verziert. Tatsache: Saint Charbel ist nicht tot. Er schläft nur. Oder er ruht hier.

Wikipedia: Scharbel Machluf, geb. 8. Mai 1828 als Joseph Machluf in Biqa-Kafra, Libanon; gest. 24. Dezember 1898 in Annaya, Libanon) war ein maronitischer Mönch und der erste, der in der Neuzeit von der römisch-katholischen Kirche 1977 offiziell heiliggesprochen wurde.

Der Schrein. Hier schläft er. Der Heilige Saint Charbel.

Kurz darauf beginnt auch schon die Heilige Messe in der wunderschönen Kirche von St. Charbel. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz und darüber hinaus besetzt, weil heute ein spezieller Feiertag ist.

Später sehen wir uns einen Steinbildhauer an. Seine geschmackvollen Arbeiten stehen auf seinem Grundstück überall herum und warten auf Käufer; viele sollen im ganzen Libanon verteilt sein. Nassib will den Sinn eines jedes Kunstwerks explizit erklärt bekommen, auch von denen, deren Bedeutung jeder leicht selbst erkennen kann. Dazu dann noch die kleineren Stücke im Atelier. Schluß der langatmigen Erklärungen macht endlich ein kleiner Bus mit einer internationalen Reisegruppe und ich darf mich, endlich erlöst, wieder ins Auto setzen und abhauen.

Danach geht’s ganz in der Nähe zum früheren Wohnhaus des heiligen St. Estephan. Hier hat er gelebt und die ihm zugeschriebenen Wunder bewirkt.

Am späten Nachmittag fahren wir zurück zum Kloster Monastery of St. Maroun und genehmigen uns erst einmal einen kleinen kurzweiligen Imbiß, zusammen mit ein paar neu gewonnen Freundinnen. Danach buchen wir uns alle unsere Zimmer.

Danach kommen wir gerade wieder recht zur Heiligen Messe. (Gottesdienste sind im Libanon natürlich immer in arabischer Sprache. Macht aber nix.)

Wir übernachten in einem wunderbar sauberen Zimmer. Und unglaublich preiswert ist es auch noch. Umgerechnet circa dreizehn Euro. Und wer möchte, bekommt dann morgens im Untergeschoß auch noch ein kostenloses Frühstück. Ich nehme dann aber lieber ein zu bezahlendes Frühstück ein, draußen, auf der Terrasse. Alleine, bis zwei der neuen Freundinnen zu mir stoßen. Nassib frühstückt unten im Keller für umsonst.

Am Vormittag dann erneut eine Heilige Messe, diesmal im Freien und nicht weit vom Kloster entfernt.

Hier an dieser Stelle hat St. Charbel gelebt. In einem winzigen spartanischen Häuschen mit kleiner Kapelle.

Das Kloster ist von hier oben gut zu sehen. Dazu gibt es eine wunderbare Aussicht bis zum Meer.

Unsere heutige Fahrt führt uns zum Tannourine Cedar Forest.

Ein großes Gebiet mit vielen schönen Zedern. Gute Luft ist hier selbstverständlich. Leider ist nicht genug Zeit, um einen der vielen angebotenen Wanderwege komplett abzulaufen. Man braucht auf jeden Fall unbedingt gute Wanderschuhe für die steinigen Wege. Und mindestens einen halben Tag Zeit im Rucksack.

Ich staune jedes Mal, wenn ich hier im Land derart große Zedernwälder sehe. Wieso konnten die Zedern:innen an manchen Stellen in dieser Vielzahl überleben? Sämtliche Bäume wurden doch in fünftausend Jahren Geschichte abgeholzt, um Schiffe und Häuser zu bauen. Das ganze Land ist ja gerade deshalb so kahl.

Weiter geht es. Wir haben noch eine längere Fahrstrecke vor uns. Unterwegs gibt es unser verspätetes Mittagessen.

Wir wollen heute noch zum Grab von Ste. Rafqa im Kloster des Saint Joseph; hier leben ausschließlich Nonnen. Sie, die Heilige Sainte Rafqa, liegt in einem wundervollen Sarkophag aus kostbarem rosa Granit, dessen Form einem kleinen Schiff ähnelt. Durch ein kleines Fenster kann sie uns sehen. Und wir sie.

Auch hier kommen wir gerade richtig zur Heiligen Messe. Eine neue, geradezu gigantische Basilika wird gerade nebenan gebaut. Hier ein Foto des Plakats:

Die Sonne geht schon langsam unter, als wir in unmittelbarer Nähe auch noch die Grabmäler („Tomb“) von Saint Neematullah und von Saint Estephan aufsuchen und dort erneut einer Heiligen Messe beiwohnen, die diesmal ausschließlich für Mönche (und uns als Gästen) gehalten wird. Am Ende der Messe wandeln sie alle im Gänsemarsch in ihre hinteren Räumlichkeiten. Sieht echt cool aus!

Saint Charbel, Sainte Rafqa und Saint Neematullah sind die drei offiziell von Rom kanonisierten libanesischen Heiligen. (Kanonisierung: Aufnahme in das Verzeichnis der Heiligen [Kanon] durch den Papst.) Saint Estephan gehört aber auch irgendwie dazu.

Rückfahrt im Dunkel der Nacht. Ja, gegen meine eigenen Ratschläge, niemals, wirklich niemals im Libanon im Dunkeln rumzufahren! Ich muß unterwegs erneut Geld wechseln. Diesmal in einem Café Nähe Biblos‘. (Geheimtipp von Nassib.) Hier gibt es unglaublich verführerische Süßigkeiten. Aber ich verschmähe sie! Schweren Herzens! Ich versuche, meine Augen so gut wie möglich von allem  abzuwenden und mir einzureden, daß sie bestimmt viel zu süß sind. Dafür ist der Kurs des Konditors etwas weniger süß = geringfügig ungünstiger. Für mich. Aber ich darf und will mich nicht beklagen. Angeblich wegen schlechterem Euro-Umrechnungskurs.

Tankstellen gibt es im Libanon in Fülle. Sie sind überall. Naja, fast überall:

Übernachtung erneut im freundlichen Kloster Saint Charbels.

Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen von St. Charbel. Aber ich werde ihn noch ganz oft im Land sehen. Er ist einfach überall im Libanon.

Heute haben wir einen längeren Weg über hohe Berge vor uns. Da geht es auch mal auf über zweitausend Meter Höhe rauf. Nassib erklärt mir, daß bergabwärtsfahrende Fahrzeuge oft nicht anhalten können oder wollen, deshalb muß/sollte man hier beim Aufwärtsfahren eher freiwillig mal kurz anhalten. Bei uns, vor allem aber in Österreich und in der Schweiz, ist es ja eher umgekehrt. Große, schwere Mercedes-Lkw sind wirklich überall in den Bergen unterwegs.

Die Straßen im Libanon sind entweder gut oder schlecht. Aber auch auf den ganz neuen Straßen gibt es gerne tiefe Schlaglöcher oder ganze Felder mit steinigen Stellen, die man erst kurz vor dem Überfahren erkennen kann. Deshalb wiederhole ich meine Warnung: Man sollte hier nie im Dunkeln fahren! Außerdem gibt es oft Militär-Checkpoints, besonders gerne unerwartet hinter einer Kurve. Dann heißt es Paß rauskramen und vorzeigen. Auch wenn die mißmutigen Typen ihn meistens gar nicht lesen können. Man guckt dann auch schonmal im Auto sitzend unversehens in den Lauf einer umgehängten Maschinenpistole…

Außerdem gilt es, vor allem in Dörfern und Kleinstädten unzählige und oft hundsgemeine Temposchwellen rechtzeitig zu erkennen. Sie bestehen aus dem gleichen Asphalt wie der Straßenbelag und sind nie irgendwie gekennzeichnet. Deshalb fährt man auch ungewollt öfters voll Stoff drüber, wobei Stoßdämpfer und Federn gerne bis zum Anschlag gefordert werden. (Nich‘ schlimm, is‘ ja nur’n Leihwagen…) Besonders im Sonnenlicht mit viel Licht und Schatten sind sie meist kaum erkennbar und dann heißt es oft, voll in die Eisen steigen, wenn ich die nächste Schwelle mal wieder nicht rechtzeitig entdeckt habe. Und wieder Gas geben, bis zum nächsten Bumper. Wo es geht, beobachte ich natürlich vorausfahrende Fahrzeuge, aber auch oft weit vorausfahrende oder entgegenkommende Fahrzeuge, ob sie irgendwo abbremsen. Das hilft so manches Mal. Nachts in der Dunkelheit sind die doofen Bodenschwellen natürlich gar nicht mehr erkennbar…

Morgens starten wir also zu unserem waghalsigen Exkurs. Wir wollen über das hohe Gebirge. Ich folge natürlich Google Maps. Doch Nassib schreit sofort los. „Falscher Weg! So kommen wir nicht über die Berge! Die Straße hört unterwegs auf! Oder wir werden verunglücken! Oder die Leute von der Hisbollah erschießen uns da oben in der Einsamkeit! Oder sie entführen uns und erpressen Lösegeld! Dreh um! Sofort! Nimm meinen Weg! Ich weiß es!“ Hm, seinen Weg runter ans Meer und später wieder rauf kenne ich zur Genüge. Langweilig. Ich bleibe deshalb auf meinem Weg und – nichts Schlimmes passiert uns! Die Straße ist durchaus akzeptabel, oft sogar gut. Vielleicht hat sie früher mal irgendwo hier oben geendet, jetzt aber geht sie durch. (Allerdings, ich muß es zugeben, ein paar Gedanken mache ich mir unterwegs schon.) Hisbollah-Leute hab ich keine gesehen. Ich erspare mir also den von Nassib geforderten Umweg mit vollem Erfolg. Und der ganze umständliche Behörden- und Papierkram, der bei einer Entführung bestimmt erforderlich geworden wäre, ist damit auch gleich wieder vom Tisch. Stattdessen bekomme ich viele schöne Aussichten ins weite Land geboten.

Am frühen Nachmittag sind wir im doppelten Sinn überm Berg und rollen bergab in die berühmte Bekaa-Ebene runter. Dieses riesige und komplett von hohen Bergen (Libanongebirge und Antilibanon) umschlossene Tal ist das fruchtbare Schwemmland der beiden Flüsse Orontes und Nahr al Litani und unglaublich fruchtbar. Ich schätze mal, daß es etwa doppelt so groß wie der Bodensee sein könnte. Oft wird hier Cannabis angebaut, erzählt mir Nassib. Stichwort „Roter Libanese“. (Klingt verlockend. Würd‘ ich zu gerne auch mal probieren. Kenne ja bisher nur Grüner Türke und Schwarzer Marokkaner…)

Wir wollen nach Bechuat (Bechwat, Beshouat), einem Ort, in dem unsere Liebe Heilige Jungfrau Maria viele Wunder bewirkt hat, und den ich auch schon oft besucht habe. Wir erreichen den kleinen Ort am frühen Nachmittag, wo wir erst einmal ein üppiges Mittagessen einnehmen und anschließend gleich gegenüber im Hotel einchecken. Diesmal habe ich mir für uns beide zwei getrennte (und weit von einander entfernte) Zimmer gegönnt. Nassib kann manchmal echt anstrengend sein…

Unser Hotel

 Meine Aussicht.

Auch meine Aussicht. Bekaa-Ebene. Überwältigend.

Der Rest des Nachmittags gehört meiner vollständigen Kontemplation. Nassib läßt mich dankenswerterweise allein. Ich liebe diesen heiligen Ort ganz besonders und sammle hier stets neue Kräfte. Magische Goldene Strahlen umstreicheln mich, während ich bei weit geöffnete Fenstern etwas schlafe. Ich fühle mich sehr wohl. („Sauwohl“ kommt mir in diesem Zusammenhang eher etwas unpassend vor.) Welch ein angenehmer Nachmittag. Als ich wieder aufwache, weiß ich es: Der alte starke Wilf ist zurück! Ich bin groß! Ich bin unverwundbar! Ich bin wieder belastbar! Ich bin wieder der König der Welt! Ich bin wieder Mr. Universum!

Danach bummle ich leicht und locker etwas herum und spreche mit ein paar Leuten.

Am frühen Abend, der geneigte Leser wird es bereits ahnen, die verehrte Leserin sowieso, am frühen Abend gibt es eine Heilige Messe. Der orthodoxe Pater fragt mich hinterher, woher ich komme und alles mögliche andere. Er empfiehlt mir, zum katholischen Glauben überzuwechseln. Diesen gäbe es ja nun schon seit zweitausend Jahren; den Protestantismus gäbe es dagegen erst seit vierhundert Jahren. Aber Konvertieren kommt für mich natürlich nicht infrage. Is‘ ja logisch!

In der kleinen Kapelle steht das Heiligtum Unserer Geliebten Jungfrau Maria von Beshouat (Saydet Beshouat)

Auch die Nacht ist so richtig wohltuend. Da es ein Fliegengitter gibt, kann ich die Balkontür getrost offen lassen.

Weil es ab zweiundzwanzig Uhr keinen Strom mehr gibt – meine zweite Nacht im Libanon ohne Strom – kann ich mein Handy nicht vollständig laden. Der Handy-Akku ist überhaupt ein Problem. Man muß und sollte immer Ladekabel und Ladegerät in der Tasche parat haben und dann überall, einfach überall wo es nur möglich ist, den Akku nachladen, auch wenn es wegen zu kurzer Ladezeit vielleicht nur ein bißchen Power dazu gibt. (Wenig mehr ist besser als gar nix mehr. Wobei ich mich an den alten Spruch erinnere: „Schlechter Sex ist immer noch besser als gar kein Sex!“) In Kirchen ist es immer recht schwierig, Strom nachzutanken, weil einfach keine Steckdose zu finden ist. Oder man muß halt „etwas“ suchen. (Oder man schleppt seine Powerbank mit sich rum. Aber meine blieb zuhause.)

Hier im Bad ist es nachts nicht ganz so stockdunkel, weil etwas Mondlicht durch die großen Balkontüren hereinströmt.

Frühstück wie immer üppig. Mit allem. Maria, die Chefin, flirtet mit mir. Sie hofft, daß ich sie einpacke und einfach mitnehme. Geht natürlich nicht.

Der große, überdimensionierte Rosenkranz („Größter Rosenkranz der Welt“) aus Betonkugeln wurde seit meinem Besuch im letzten Jahr offenbar nicht weitergebaut.

Internet: „Der Große Rosenkranz des Libanon ist sechshundert Meter lang und besteht aus neunundfünfzig beleuchteten Perlen: Damit hat man genug Zeit für sechs Vaterunser und dreiundfünfzig Ave Maria. [Frage von mir: Wer betet eigentlich sechs Vaterunser und dreiundfünfzig Ave Maria hintereinander? Und warum?? Was muß man getan haben, um mit so vielen Gebeten um Vergebung zu bitten???] Der Rundweg führt zum Kreuz der Auferstehung und zu einem großen Amphitheater für Gebete und Feiern im Freien. Ein Raum unter dem Kreuz ist der Betrachtung des Allerheiligsten gewidmet.“

Und weiter geht es, zunächst einmal wieder den Berg runter ins nahe Baalbek. Ich sehe mir die alten Ruinen dieses Mal nur von außen an. Mein ausgiebiger Besuch war ja schon vor zwei Jahren.

Danach wollen wir unseren guten und von mir hochgeschätzten Freund, Dr. Habib Jammal besuchen. Und erleiden einen Schock! Er ist kürzlich verstorben!! Er war doch noch gar nicht so alt!! Eigentlich im besten Alter! Seine liebe Tochter berichtet uns von seinem schweren Leiden. Welch unerträglich schlimme Zeit für ihn! Die Nachricht haut mich um! Mein Herz blutet. Ich hatte mich wirklich so sehr darauf gefreut, ihn wiederzusehen. Wir hatten einen guten Draht zueinander. Aber, wir wissen es alle, das Leben ist grausam. Und gemein. Früher oder später. Ihr werdet es alle noch herausfinden. (Warum nur haben wir beide ihn letztes Jahr nicht besucht? Aber es war damals halt wenig Zeit. Und wir haben nichts von seiner schweren Krankheit wissen können.)

Traurig fahren wir weiter. Mittagessen im Rayak Officers Club in der Fliegerkaserne in Rayak.

Nassib ist ja bekanntlich Offizier im Ruhestand und hat Zugang zu allen Kasernen im Land. In den meisten (allen?) befindet sich auch ein Offiziersclub, wo wir dann besonders preiswert essen und übernachten können. Übernachten ist diesmal allerdings nicht möglich, eine Gruppe Amerikaner hat uns sämtliche Zimmer vor der Nase weggebucht, um am danebenliegenden Flugplatz Lehrgänge mit den libanesischen Fliegern zu veranstalten. Wahrscheinlich lernen und üben die Leute an einem Holzmodell, weil Kerosin im Land sehr knapp ist…

Deshalb fahren wir gleich weiter, Richtung Anjar, an vielen weiteren riesigen Flüchtlingscamps vorbei. Die sind hier überall im Bekaa-Tal. Zeltstädte mit nicht vorstellbaren schlimmen hygienischen Zuständen. Alle Behausungen bestehen nur aus primitiven Zeltwänden. Hauptsächlich syrische Flüchtlinge. Das gesamte Bekaa-Tal ist voll mit diesen Camps. Nassib fragt mich, ob ich solch ein Camp besuchen möchte. Aber ich lehne ab. Soweit geht meine Abenteuerlust dann doch nicht…

In Anjar angekommen heißt es, die dortigen imposanten Ruinen zu besichtigen. Letztes Mal war hier das Tor verschlossen, heute ist es für mich extraweit geöffnet. Doch erst einmal laben wir uns an einem sehr guten Espresso und einer Zigarre mit Blick auf das Tor. In dieser Stunde kommen nur drei Besucher mit ihrem Guide und verschwinden gleich wieder nach zwanzig Minuten. Ich bin also wieder alleine bei meiner Besichtigung.

Internet: Etwa 40 km südwestlich von Baalbek in der Bekaa-Ebene befinden sich die Ruinen Anjar. Mit seiner geschwungenen Architektur ist es auf jeden Fall einen Besuch wert und gehört seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Vermutlich errichteten bereits die Römer an dieser Stelle eine Siedlung, denn Anjar lag strategisch günstig an der Handelsroute von Damaskus nach Beirut und besaß eine ergiebige Quelle. Die Umayyaden-Ruinen von Anjar zeugen hervorragend von ihrer damaligen Zivilisation . 

Nassib wartet solange lieber am Auto bzw. bei seiner „Freundin“ vorm Café. Ich bin und bleibe der einzige Besucher. Es gibt einfach fast keine Touristen mehr im Libanon. Übrigens, die syrische Grenze ist von hier aus nur noch ein paar wenige Kilometer entfernt. Damaskus grad mal vierzig Kilometer; Jerusalem zweihundert.

Dann geht’s wieder weiter. Dreißig Kilometer. Nassib möchte mir eine berühmte Zitadelle zeigen, die Rashaya Zitadelle, Rachaya Citadel (Citadel of Independence).

Wikipedia: Die Rashaya-Zitadelle oder „Zitadelle der Unabhängigkeit“ ist ein nationales Denkmal im Libanon. Es wurde im 18. Jahrhundert als Palast erbaut und später vom französischen Mandat genutzt. Heute sind hier libanesische Streitkräfte stationiert. Es ist eine Touristenattraktion, die besichtigt werden kann, während sie von der Armee überwacht wird. Das Schloss umfasst Gewölberäume und überblickt die historische Bergstadt und weithin das ganze Tal.

Unterwegs wechsle ich nochmal ein paar Euro. Drittes Mal. Da ich es diesmal alleine mache, Nassib ist faul und bleibt im Mini, erhalte ich auch nach einiger Verhandlung einen geringfügig besseren Kurs als bisher. Immerhin. Nassib hat nie gehandelt. (grins)

Doch wie so oft, die Zitadelle ist (schon?) geschlossen. Es ist erst 16:30 Uhr. Öffnungszeit offiziell bis 17 Uhr. „16:00 Uhr. Kommt ja doch keiner mehr. Also machen wir Feierabend“ ham sich die Wächter offenbar gedacht. Zuhause lese ich später, daß man hier sowieso nur drei Räume besichtigen kann. Hierherzukommen lohnt sich deshalb eigentlich auch nur der Aussicht wegen.

Weil wir hier nichts ausrichten können, fahren wir gleich weiter und suchen uns ein Hotel für unsere Übernachtung. Nassib ist begeistert und faselt was von 5-Sterne-Hotel. Ich nicht. Unser Zimmer ist im zweiten Stock. Der Aufzug ist offenbar schon lange tot. Die Lampen und Leuchter sind nur noch halb in Betrieb, viele Glühlampen sind ausgefallen. Versiffter Teppichboden im Zimmer. Dusche in der Badewanne mit ekelhaftem Duschvorhang. Wasserdruck schwach. Die Bettwäsche sehe ich mir erst gar nicht genauer an. Aus dem Fenster unseres Zimmers blicke ich direkt auf ein unglaublich schmutziges und vermülltes Nachbargrundstück. Überall im Haus sehe ich Verfall. Doch es gibt hier weit und breit nichts anderes, wo wir übernachten könnten, deshalb bleibe ich gezwungenermaßen. Der Typ, er bezeichnet sich als Manager, der uns empfing und uns unser Zimmer zeigte, sah schon gleich ziemlich verschlagen aus. Ich mochte ihn auf Anhieb nicht. Deshalb wundere ich mich nicht, daß er nach dem Dinner meine ein paar Minuten auf dem Eßtisch versehentlich liegengelassene Reise-Lesebrille sofort klaut und verschwinden läßt. Ist aber kein Problem, ich hab immer ein paar Reservebrillen bei mir. Diese hier war allerdings meine Lieblingsbrille auf Reisen:

Weiß man ja: Hinter einer coolen Lesebrille steckt immer auch ein kluger Kopf (grins)

Wir beide sind die einzigen Gäste im Hotel – und im wahrhaft riesigen Speisesaal. Da kommt doch gleich ein gemütliches Wohlfühlgefühl auf…

Hier die Bewertung eines früheren Gastes dieses Hotels: „Es ist das einzige Hotel in der Region, und ohne andere Optionen ist es angemessen; Trotzdem teilte uns der Manager mit, dass die Suiten nicht verfügbar sind, obwohl er sie am Tag zuvor angeblich für uns reserviert hatte. Wir haben den Eindruck, dass er sie um jeden Preis in Rechnung stellen möchte. Die Bettdecken sind total verdreckt. Die Gebühren, auf die wir uns geeinigt hatten, waren 40 $, aber als wir ankamen, erhöhten sie sich auf 50 $ und reduzierten sich dann auf 40 $. Der Manager muss seine Kundendienstfähigkeiten verbessern. Es versteht sich, dass sie nicht viele Reservierungen haben und Gewinn machen müssen, aber wenn sie bessere Dienstleistungen erbringen, würden sie mehr Besucher anziehen. Wenn ich zurück müsste, würde ich ein Gästehaus nehmen. Das Hotel und seine Lage sind gut, aber sie können es definitiv zu einem besseren Ort machen.“ Die Original-Übersetzung ist zwar etwas holprig, ich hab absichtlich nichts daran geändert, aber alles entspricht genau meiner Erfahrung.

Logisch, nachts haben wir keinen Strom, die dritte Nacht hier im Land. Auch hier ist es im Bad wieder so dunkel wie im Bärenarsch. Morgens verlasse ich das ungastliche, grausliche, unsympathische Hotel so schnell wie möglich in Richtung Südwesten. Fluchtartig und ohne Frühstück! Nassib würde gerne nochmal zurück zur Zitadelle, ich lehne aber ab. So viel Zeit haben wir heute gar nicht.

Ein neuer militärischer Checkpoint hält uns mal wieder auf. Und der Typ läßt uns bzw. mich nicht weiter. UNIFIL-Sicherheitszone! Zwischen Libanon, Syrien und Israel. Hier darf man als Ausländer nur mit speziellem Ausweis bzw. besonderer Genehmigung rein. Nassib als ehemaliger Offizier kann da auch nicht helfen. Da möchte ich eigentlich auch gar nicht durch. Also Wenden. Okay, auf solchen Reisen muß man flexibel sein. Ursprünglich wollte ich nach Tyros (Sur Tyr) und dann über Sidon (Sayda) noch ein kurzes Stückchen rauf nach Norden, immer am Meer entlang, Richtung Beirut, und dann unterwegs in die Berge rein und rauf zu Nassibs Dorf.

Internet: Tyros ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt und eine uralte phönizische Metropole. Und der Geburtsort Europas. Logisch, UNESCO-Weltkulturerbestätte mit vielen Ruinen aus fünf, sechstausend Jahren Geschichte.

Tyros fällt diesmal aus. Das Dreieck im libanesischen Süden soll wegen der nahen Grenze zu Syrien und Israel für Touristen sowieso besonders gefährlich sein. Also nicht schlimm. Man muß schließlich wissen, wann man verloren hat und sich zurückziehen sollte. Nach Tyros komme ich auf einer meiner nächsten Reisen nochmal, wenn ich wieder die Route am Meer entlang nehme. Deshalb wähle ich jetzt nach einem Blick in die Landkarte den Weg nach Nordwesten über Nabatäa direkt nach Sidon. Nabatäa hat aber offenbar nichts mit den alten Nabatäern und dem Königreich Nabatäa zu tun.

Klar, is‘ ja logisch: Nassib meckert unterdessen über die von mir favorisierte Wegestrecke vor sich hin.

Wir kommen unterwegs am größten See im Libanon vorbei. Der Qaraoun-See wurde durch den 1959 erbauten El Wauroun- Staudamm gebildet:

An diesem Vormittag gibt es mangels besserer „Lokalitäten“ nur ein extrem einfaches Frühstück. Hier gibt es noch nicht einmal Kaffee oder Tee. Nur 7up. Für Nassib. Ich trinke sowas nicht. Und nehme lieber das abgestandene Wasser aus dem Auto.

 Hat gut geschmeckt. Man sieht’s… (Sorry, es gab noch nicht‘ mal ’ne Serviette.)

Eine Schnellstraße führt uns wenig später hinunter ans Meer und dann auf der „Autobahn“ Richtung Norden nach Sidon. Unterwegs gibt es echt richtig dicke fette Weintrauben an hoch gewachsenen Reben(bäumchen) zu bestaunen. Also leicht zu lesen/ernten. Viel leichter als bei uns.

Sidon. (Saida.) Auch hier leben Menschen seit sechstausend Jahren. Nassib führt mich auf dem kürzesten Weg zur alten Festung „Qala´at al Bahr“ direkt am Meer.

Internet: Im 13. Jahrhundert bauten die Kreuzfahrer hier eine Festung auf einer kleinen Insel, die durch einen schmalen, achtzig Meter langen „Pfad“ mit dem Festland verbunden war. (Eigentlich ist es ja eine Art Brücke.) Die Insel war früher der Standort eines Tempels für Melqart, der phönizischen Version des Herakles.

Immer noch Sidon: Nassib hat mich auf die Uferstraße gelenkt. Links das Mittelmeer, rechts eine schöne grüne Hecke. Angenehm hier. Die Sonne scheint wie immer. Alles gut. Das Leben ist schön. Auch die entgegenkommenden Autofahrer sind sehr freundlich. Manche winken uns zu, manche blinken mit ihrer Lichthupe, manche fuchteln mit ihren Armen zum Seitenfenster heraus, manche hupen. Schnell wird mir klar, ick bin ’n Geisterfahrer!! Ich will Drehen. Nassib will es nicht einsehen und schreit „Fahr weiter, wir sind richtig, ich kenn mich hier aus!“. Trotzdem wende ich. Er schreit noch lauter, versucht, mir ins Lenkrad greifen. Er boxt mich schon wieder leicht auf den Oberarm und explodiert fast. Mir egal. Ich wende. Am nächsten Bypass fahr ich endlich rüber auf unsere korrekte Parallelfahrbahn. Meine Amygdala beruhigt sich schnell wieder. (Amygdala: Teil im Gehirn für die Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren.) Die grüne Hecke auf dem Mittelstreifen liegt jetzt links. Nassib will es noch immer nicht einsehen und tobt heftig weiter. Er ist immer noch richtig wütend, weil ich nicht auf ihn gehört habe. Zur Krönung wirft er mir wahrhaftig vor: „Ich bin frommer als du, ich bin reicher als du, ich weiß viel mehr als du!!! Und ICH fahre viel besser Auto als Du!!!!“ Hahaha. Naja, und das, obwohl er nur im Libanon (und möglicherweise ein bißchen in Kanada) jemals Auto gefahren ist. Da heißt es, cool zu bleiben und ruhig Blut zu bewahren. Ich laß seine tödlichen Vorwürfe einfach an mir abprallen. Er beruhigt sich dann auch immer gleich wieder. (Jedenfalls möchte ich keiner seiner früheren Untergebenen gewesen sein.)

Man könnte auch einen Film von uns beiden drehen. Wie früher von Elizabeth Taylor und Richard Burton:

 

WV-Entertainmant proudly present:

 

Der neue Libanon-Film

In den Hauptrollen die Superstars Nassib R. und Wilfried V.

 

Bad Guy – Good Guy

Sie kämpfen, schlagen, streiten, lieben und vertragen sich

Teil 14

 

Seine Wutanfälle sind eigentlich grotesk und völlig unnötig. Vielleicht hat er ja einen Dachschaden oder etwas Medizinisches wie damals „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Manchmal kommt er mir so vor, oft und meistens sehr freundlich und manchmal so böse. (Was es doch für Menschen gibt…)

Zum Falschfahrer fällt mir der uralte Witz mal wieder ein: Meldung im Radio. ‚Geisterfahrer zwischen A und B unterwegs!‘ Der Fahrer brummelt dazu: „EIN Falschfahrer?! So’n Unsinn! Hunderte!“

Nassib ist allwissend und hat immer recht. Behauptet er. Oft! Er glaubt wirklich, daß er alles weiß. Zum Beispiel bei unserem uralten Streitthema, von dem er sich nicht abbringen lassen will: Er behauptet noch immer steif und fest, daß man in Kanada entweder auf der rechten oder linken Fahrbahnseite fährt, je nachdem, ob es eine britische oder französische Provinz ist. Auch Google kann ihn nicht von seiner Meinung abbringen. Ich halte ihm das Handy hin: „Canadians drive on the right hand side of the road and pass on the left.“ (In Kanada wird rechts gefahren und links überholt.) Er schreit sofort los. „Das ist eine Falschmeldung! Ich war dort mit dem Auto unterwegs und mußte mehrmals an den Grenzen der Provinzen die Straßenseite wechseln! Ich weiß es ganz genau!“ Google gefällt ihm sowieso nicht. „Fake“ (Lüge) behauptet er dann jedes Mal, wenn ihm irgendeine bewiesene oder feststehende Tatsache nicht in den Kram paßt. Und die Routenführung bei Google gefällt ihm schonmal grundsätzlich nicht…

Ich glaub ihm inzwischen schon lange nicht nicht mehr, daß er jemals in Kanada war oder zumindest dort Auto gefahren ist. Dann wüßte er es ja. In Kanada leben seine zwei oder drei Söhne, die er dort angeblich besucht haben will.

Aber zu seiner Ehrenrettung muß und kann ich bestätigen, daß er sich zumindest im Libanon sehr gut auskennt. Im ganzen Land. Er kennt tatsächlich fast alle Straßen, Wege, Dörfer. Er war als Berufssoldat hier überall. Aber manchmal weiß Tante Google es halt besser, oder kürzer, oder einfacher – oder schneller. (Oder meine Wenigkeit.) So manches Mal war er deshalb tatsächlich, Achtung, Untertreibung, „ein bißchen unwirsch mit mir“. Aber ich mag ihn trotzdem. Trotz so mancher, hmm, kleinerer Differenzen. Bei allen Streitereien war und ist er trotzdem sehr hilfreich. Sein Zorn und seine Tobsuchtsanfälle sind immer genauso schnell verraucht wie sie aufgekommen sind, und wir sind dann auch gleich wieder beste Freunde. Er ist halt einfach nur unbeherrscht, total unbeherrscht, warum auch immer. Zum Spaß hab ich ihn unterwegs auch zwei, dreimal so laut ich nur konnte zurück angeschrien, es hat ihn aber in keinster Weise gejuckt, er hat es erst gar nicht zur Kenntnis genommen. (Ja, sorry, war etwas infantil von mir.) Nur die Leute um uns herum kamen aus ihren Behausungen und haben uns staunend beäugt. Ich hätte genausogut auch einen Baum oder unser Auto anschreien können. (Muß ein Bild für die Götter gewesen sein. Zwei alte Männer, die sich so laut wie nur möglich gegenseitig anschreien. Aber hat mich dort ja keiner gekannt. Und ich hatte meinen innerlichen Spaß dabei…)

Zweimal mußte ich auf dieser Reise tanken. Außer bei der Rückgabe dann noch ein bißchen zum Vollmachen. Benzin ist (für unsere Verhältnisse) sehr billig. So um einen Euro pro Liter.

Wir ändern die Route kurzentschlossen und sausen jetzt von Sidon aus direkt in die Berge rauf. In Nassibs Dorf machen wir einen kurzen Stopp, wo er sein Gepäck zurückläßt, und dann geht’s gleich weiter zu unseren Freunden in Deir-al-Qamar, die uns schon sehnlich erwarten. Und da es direkt an unserem Weg liegt, wird auch das freundliche und wundervolle Kloster, das ich bereits auf meiner letzten Libanonreise besucht habe, vorher nochmal kurz aufgesucht.

Internet: Ein paar Kilometer hinter dem Dorf Joun befindet sich ein griechisch-katholisches Kloster, bekannt als Deir el-Moukhalles (Kloster des Heiligen Erlösers), das duftende Obstgärten, fruchtbare Olivenhaine und sanft bewaldete Hügel überblickt. Es wurde 1711 gegründet und steht auf einem noch älteren Standort. Das Kloster besitzt eine schöne alte Kirche und eine Sammlung von Ikonen, Manuskripten und religiösen Gegenständen.

Und dann sind wir endlich bei unseren Freunden, Alains Familie. Großes Willkommen. Nach der Begrüßung fahr ich mit ein paar Leuten erstmal schnell runter ins Tal zur riesigen St. Charbel-Statue, um ihm auch hier Guten Tag zu sagen und um ihm für den guten Verlauf meiner Reise zu danken.

Schade. Letzter Abend. Wie bei Asterix und Obelix folgt heute Abend im Libanon bei Alains Papa ein festliches Festessen mit der gesamten Familie. Arrak, Bier, Whisky und Champagner strömen nur so. Nur Wein fehlt noch. Ich hätte ihn gerne mal probiert, aber er scheint hier teuer zu sein. Dazu, klar, logisch, Wasserpfeife. Ich bekomme eine eigene, kleine Wasserpfeife gereicht, die mir sehr gut gefällt. (Apropos: Man hat mich mehrmals gewarnt. Bier und Arrak sollte man eigentlich nicht zusammen trinken. Mir hat diese Kombination aber nichts ausgemacht.)

 Mein neuer Freund Abou 

Strom fürs Licht gibt es. Die ham hier im Haus Solarzellen auf’m Dach. Die meisten Leute haben sich inzwischen nach und nach verabschiedet, zurückgeblieben ist nur noch ein harter Kern. Ich „muß“ (will) wirklich bis zum Schluß so gegen ein Uhr morgens ausharren, obwohl die Fahrt zum Flughafen schon um vier Uhr morgens losgeht. Also Wecker auf 3:30 Uhr. Wie fast immer in den libanesischen Nächten bellen Füchse ringsum. Es hört sich aber an, als wären es wilde Hunde. Oder Wölfe.

Mein Freund Alain begleitet uns wieder in seinem GMC-SUV auf dem Weg zum Airport. Ich flott voraus, er folgt mir als Security. Er will mich nicht alleine fahren lassen. Außerdem will er Nassib zurück mitnehmen. Schnell wird noch vollgetankt und das Auto zurückgegeben. Wir haben einen großen Kreis gedreht und dabei „nur“ etwas über tausend Kilometer gefahren, der Libanon ist klein, angeblich nur halb so groß wie Hessen. Dann heißt es auch schon, herzlich Abschiednehmen von zwei wirklich guten Freunden. Klar, ich muß und mußte allen versprechen, nächstes Jahr wiederzukommen. Und will es auch!

Die MEA-Lounge ist riesig und erscheint mir deshalb fast leer. Welch eine angenehme Ruhe nach diesen aufregenden und unruhigen Tagen.

Abflug 7:10 Uhr. Rückflug ist ebenso unspektakulär wie angenehm nach Frankfurt, wo mich mein Taxi bereits erwartet und blitzschnell nach Hause bringt. Gegen elf Uhr morgens bin ich wohlbehalten zuhause.

Die MEA-Lounge in Beirut. Platz ohne Ende.

Alles gutgegangen. Hamdulillah! Ich weiß ja nicht, wie es unser aller BK damit gemeint hat, aber für mich war dies eine Reise mit Doppelwumms! Deff, deff, definitiv!! Und deshalb großer Wiederholungseffekt vorprogrammiert.

Und Kraft für mindestens ’n halbet Jahr hab ick jetz ooch wieder. Saft sowieso…

Mit einem Wort: Eine wundervolle Reise. Auch wenn einer der beiden Protagonisten angesichts der Fahrweise des anderen Hauptdarstellers gelegentlich Tobsuchtsanfälle, Wutausbrüche oder Angstzustände bekam. Und meiner Therapiegruppe zuhause kann ich auch viel berichten. Die sind immer ganz scharf auf Sachen, die ich hier nicht erzählen darf.

Aber eine gerade zu Ende gebrachte Reise ist ja sowieso immer die schönste aller Reisen.

Mashallah. (Wie Allah will. Wollte.)

 

 

 

Meine Freunde M. Alain & Mme. Juliana

 

 

 

Hier noch ein paar allgemeine Libanon-Informationen:

Eine Vorfahrtsregelung scheint es im Libanon nicht zu geben! Als ich Nassib dazu befrage, versteht er meine Frage erst gar nicht und guckt mich verwirrt an. Man muß also immer stur und gnadenlos in das Gewühle der Kreuzungen und Kreisverkehre fahren, ohne nach links oder rechts zu blicken, und so tun, als wäre man selbst der Größte. Der Verkehr in Paris ist schon schlimm. Schlimmer ist er in Bangkok. Aber die Hölle ist in Beirut und in einigen anderen Städten des Libanon. (In Kairo, Delhi, Hanoi darf man ja leider kein Auto selbst fahren. Sonst würd ich das auch mal probieren.) Mein Gefühl: Jonglieren mit laufenden Kettensägen kann auch nicht schwieriger sein. Was mir aber nicht wirklich viel ausgemacht hat. Ich kam immer heil durch.

Fast alle Verkehrsampeln sind ausgeschaltet oder manchmal sogar umgefahren und tot. Nur in Beirut und in Sidon habe ich ein paar ganz wenige, seltene Ampeln (noch) in Funktion gesehen, deren Rotlicht aber, hmm, „nicht immer beachtet wurde“. Man könnte auch einfach sagen, daß Ampeln im Libanon eher fehl am Platze sind.

Es soll Polizisten mit Laserpistolen geben. Ich selbst habe keine gesehen. Das Knöllchen wird dann mit dem Kfz-Steuerbescheid im darauffolgenden Jahr bezahlt, also eher uninteressant für uns Touristen. Außerdem hat so manches Fahrzeug keine Nummernschilder. Oder gerne auch mal ähnlich aussehende abgemeldete deutsche Kennzeichen. Dann bekommt man erst gar keine Strafzettel. (Sehr klug!) Nur ganz, ganz selten hab ich mal ein Polizeiauto gesehen, einzelne Polizisten gar nicht.

Höflichkeiten im Straßenverkehr sollte man sich unbedingt sparen! Lebensgefährlich! Also auf gar keinen Fall mal anhalten, um zum Beispiel die alte Oma oder Kinder über die Straße zu lassen. Die andern Autos sausen ohne Abzubremsen rechts und links an Dir vorbei. Das gleiche gilt an Ausfahrten. Jeder muß selbst sehen, wie er zurechtkommt.

Noch einmal: Nachtfahrten so gut es geht vermeiden!! Es gibt viele völlig unbeleuchtete Fahrzeuge, Autos, kleine Lkw, Zweiräder, Personen, die man oft nur im letzten Moment erkennt. Und dann die Schlaglöcher und Bodenschwellen! Oder große schwere Betonhindernisse, gerne auch hinter Kurven. Nachtfahrten im Libanon sind nicht gut!

Man kann (könnte) mit US-Dollar bezahlen und erhält dann das Wechselgeld in LBP (Libanesische Pfund) zurück. Besser ist es deshalb, Dollar- und/oder Euroscheine mitzuführen und bald nach Ankunft in Libanesische Pfund umtauschen. Logisch, nicht direkt im Flughafen! Dort vielleicht nur ein paar Euro fürs Taxi in die Stadt. Apropos: Den Taxi-Fahrpreis vorher sorgfältig aushandeln!! Beim späteren, richtigen Geldwechsel sollte man sich vorher unbedingt über den korrekten Wechselkurs informieren und gut aufpassen. Die Geldwechsler nutzen unsere Unwissenheit gerne mal aus und verdienen sich so gerne etwas hinzu. Sind ja Araber. Notfalls woanders wechseln. Es gibt genug Geldwechsler. Und hier noch ein zusätzlicher Hinweis von mir: Die Währungs-Umrechnungs-App im Handy taugt im Libanon nichts.

Banken sind immer geschlossen. Jedenfalls die Türen. Es gibt nur ATMs. (Tipp: Dollar ziehen. Statt LBP.) Man hört immer öfter von erzürnten, wütenden und verzweifelten Libanesen, die Banken stürmen und mit Waffengewalt ihr eigenes Geld erpressen. Finanziell ist dieses Land am Ende. Aber nicht nur beim Geld. Vor allem auch politisch. Es ist so schade um dieses eigentlich schöne Land.

Kreditkarten werden in der Regel nicht akzeptiert oder man wird oft und gerne mit einem kellertiefen Umrechnungskurs abgezockt. Bargeld mit EC-Karte abzuheben ist sehr teuer. Falls es überhaupt mal klappt. Sollte man deshalb auf gar keinen Fall tun! Tipp, wie weiter oben bereits empfohlen: Dollar oder Euro in bar mitbringen und an geeigneter Stelle in Libanesische Pfund umtauschen. Vielleicht auch nach und nach bei mehreren Geldhändlern. Und vor allem immer alles cash bezahlen.

Im Libanon herrscht zurzeit die zweithöchste Inflationsrate weltweit, Venezuela ist Nummer Eins, dazu eine Rezession, die laut World Food Programme (WFP) weltweit zu den drei schwersten Wirtschaftskrisen gehört und dazu auch noch eine nach Covid-19 immer mehr um sich greifende Cholera.

Ja, alles in allem, im Libanon als Neuling bei Gelddingen nicht über den Tisch gezogen zu werden, bedarf einiger Vorsicht.

Die Stromversorgung ist nach wie vor katastrophal schlecht. Außer in Beirut oft nur morgens und abends zwei Stunden. Es sei denn, die Hotels verfügen über einen starken Generator (und genug Treibstoff dafür). Handyaufladen war so manches Mal schwierig, zumal die USB-Steckdose im Mini unterwegs nur ganz wenig „Saft“ hergab. Meine Powerbank hatte ich wegen der Gewichtsersparnis zu Hause gelassen.

Mit Essen und Trinken kam ich sehr gut zurecht. Ich esse ja gerne allermeistens vegetarisch. Da wurde ich dann oft verwundert angesehen. Aber es wurde natürlich akzeptiert. Wasser aus dem Hahn fürs Zähneputzen war auch immer okay und ohne irgendwelche Nachwirkungen bei mir.

Es stimmt schon, der Libanon ist etwas schwierig und nicht ganz ungefährlich. Das Land ist nix für Hasen. Schon gar nicht für Angsthasen. Trotzdem war es wieder eine tolle Reise. Die nächste Libanonreise ist natürlich schon in Vorbereitung. Ich schätze den Libanon. Sehr.

 

 

Fotokapitel:

Sicherheit geht vor! Der fehlende Gullideckel ist weg. Wohin und weshalb auch immer. Dank dieser klugen Absicherung kann jetzt absolut nichts mehr passieren! Das nenn ich mal eine durchaus nachhaltige und weise Lösung. Der Stuhl hat als ernsthaftes Sitzmöbel ausgedient und dient nun der Sicherung des Personen- und Fahrzeugverkehrs. So erübrigt sich für die Stadtverwaltung die Anschaffung eines neuen, teuren Kanaldeckels. Perfekt! Und dem einsamen und erschöpften Wanderer bietet der Stuhl noch immer eine Möglichkeit zum kurzen Ausruhen. Stichwort: Doppelter Nutzen. (Man könnte den Nutzen schnell auf die Spitze treiben, wenn man noch ein Loch in die Sitzfläche schnitzen würde. Dann hätte man ohne allzu großen Aufwand den dreifachen Nutzen erreicht, als „Klostuhl“ für unauffällige kleinere oder größere Geschäfte. Niemand müßte mehr an Hauswände pinkeln oder in dunkle Hausecken kacken. Und das Wasser zum Spülen ist auch gespart. Nur mal so als Denkanstoß…) Auch wenn Kinder Ball spielen und der Ball ins Loch rollt, kann jetzt den Kindern beim Hinterherrennen nichts mehr passieren! Eine ebenso wundervolle wie pragmatische Lösung dieses ernsten Problems. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Zur Nachahmung bei uns dringend empfohlen. Statt der riesigen und aufwendigen Schutzgitter, die man hier bei uns sofort aufbauen würde.

Ein wunderschöner Designertisch. Ich hätte ihn am liebsten gleich gekauft. Das Geschäft war aber leider (oder gottseidank) geschlossen.

Ich will hier raus!!!! Aber ganz schnell!

Soll Kunst sein…

Es gibt viele Münztelefone in Beirut. Aber alle zerstört.

Autokennzeichen aus fernen Ländern hab ich öfter gesehen. Hier Qatar.

Ein besonders liebenswerter Soldat. Er füttert die Katzen täglich auf eigene Kosten.

Aus Sicherheitsgründen werden nur die leeren ROLEX-Etuis gezeigt.

Mittagessen auf dem Rückweg nach dem Stadtbummel. Mit Humus und Almaza.

Ein wildes Kleid. Leider viel Spiegelung im Glas.

Unser sympathischer, freundlicher und wirklich sehr gut aussehender Busfahrer in Beirut auf dem Weg zum Flughafen. Und Fahren konnte er auch sehr gut.

Auto wird übergeben.

Ich hab doch nur ’ne Kleinigkeit bei Euch gekauft…

Ganz, ganz hinten ist das Mittelmeer. Ist oft zu sehen.

 

Chevrolet. Wenn ich jünger wäre, hätte ich versucht, ihn zu kaufen. Äußerlicher Tipp-Top-Zustand.

Zeder

Hier ruht er und schläft nur. Der liebe gute und gütige Heilige Saint Charbel.

Der Künstler himself / The artist selbst

Schade, der Tankdeckel fehlt. Sonst Topzustand…

Bei Saint Charbel zu Hause

Wieder ein Beispiel: Sicherheit geht vor! Absicherung eines tiefen Schlaglochs. So geht es also auch…

Tannourine Cedar Forest (Zedernwäldchen)

Was die einem heutzutage für schmutzige Leihwagen übergeben…

 Der Abstellraum der Lady. Sie nennt ihn „aufgeräumt“ (Man beachte auch die Küche im Hintergrund rechts). Und den dazugehörigen Abstellraum:

Unleserliche Restaurant-Rechnung

Er saß beim Mittagessen drinnen – und ich bald draußen. War echt ’ne richtig gute Lösung…

Alles okay und fahrbereit. Is‘ halt so. Geht doch!

Baalbek:

Im Offizierskasino

Anjar:

Er konnte oft nur mit weit zurückgestellter Lehne im Auto sitzen, äh, liegen. Zu fett…

War mal ein wundervoller kostbarer Kronleuchter…

Noch so’ne unlesbare Rechnung

Von außen und bei Nacht sah unser Hotel ja noch ganz einladend aus…

Sidon (Saida):

Jede Menge solcher Fischstände. Fast alle ohne Eis…

Charbel. Der „große“ Sohn. Ganz schön stark.

Ich soll die Champagnerflasche öffnen…

 

 

 

 

Ich liebe den Libanon und der Libanon liebt mich

 

 

 

 

* * * * * *   Ende  * * * * * *

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinweis:

Sämtliche zum Zeitpunkt der Reise geltenden Corona-Regeln wurden eingehalten.

 

 

Aktueller Nachtrag:

+++ Seit Anfang Oktober 2022 haben sich im Libanon bereits mehrere hundert Menschen mit dem Bakterium Vibrio cholerae infiziert, das zu lebensbedrohlichen Durchfällen führen kann. Über zwanzig Menschen sind inzwischen gestorben. Hinzu kommen mit Stand Ende Oktober 2022 weitere rund tausend unbestätigte weitere Verdachtsfälle. Es heißt, daß die ersten Infektionen bei syrischen Flüchtlingen in den überlasteten Lagern im Norden aufgetaucht sind, die sich dann rasch im Land weiterverbreitet haben. +++

 

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© WILFRIED VIRMOND 2002 – 2022

 

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Written with my own heart blood in EU

>Libanon 3<

 

 

Bei mir wird nicht gegendert! Sorry, det is nur wat für Schwule/Lesben/Diverse. Oder Beamte.

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Dieser Reisebericht sollte nur von Menschen gelesen werden, die Deutsch sprechen.

 

 

 

 

 

 

P.S. Wenn ich im Libanon bin, jetzt ja schon das dritte Mal, muß ich mich immer wieder an einen schlimmen Terroranschlag erinnern: Nicht alle Libanesen sind nette Menschen. Es gibt auch unter ihnen Terroristen. Leider. Am 19. September 1989 zündeten sechs libanesische Moslem-Terroristen auf dem Weg von Brazzaville nach Paris an Bord einer DC-10 eine Bombe, wobei alle 155 Passagiere und fünfzehn Besatzungsmitglieder getötet wurden. UTA772. Das Flugzeug befand sich zu diesem Zeitpunkt über der Ténéré-Wüste in der Sahara. – Ich mag keine Muslime!