Corvette C8

 

 

Feels like heaven…

 

 

2022 Chevrolet Corvette Stingray                                                                                                                               (C) General Motors

 

Mein geliebtes Baby, meine blaue Corvette C6, hab ich im Sommer 2021 hergegeben. (Heftiger Trennungsschmerz.) Ja, war wirklich recht schmerzhaft. Okay, dafür kam dann der Käfer zu uns. Doch das war nur ein bißchen Ersatzdroge, kein Vergleich mit einem Supersportwagen. Aber, das Warten hat ein Ende! Endlich wird es Ernst. Und aus dem kleinen Ernst wird bald großer Spaß! Ganz viel Spaß. Mit meiner neuen roten

Corvette C8 Stingray Convertible 3LT Z51 LE!

Bei einem Auto von einem Mythos zu sprechen, halte ich eigentlich für übertrieben. Aber ein bißchen etwas Besonderes steckt ja doch schon drin. Vor allem in so ’ner neuen C8. Immerhin ist sie ein böser Porsche- und Audi-Killer und läßt die gerne alt ausseh’n. (grins)

(Und noch was an alle R8-Besitzer: Ihr braucht teures SuperPlus. Eine Corvette kommt notfalls mit stinknormalem Super E10 aus. Is‘ zwar total unwichtig, wir ham ja alle Geld genug, aber trotzdem finde ich es an der Tankstelle immer wieder zum Schmunzeln. Vom hier Gesparten, 20, 30, 40 Euro, kauf ich mir dann oft ’ne gute Flasche Rotwein und ab und zu noch ’ne schöne Kiste Zigarren. Nebenbei: E 10 ist Billigplörre. Man sollte immer mindestens E5 tanken. Also das etwas teurere Super. Für jedes Auto! Es lohnt sich in jedem Fall. Außer für Diesel, is‘ ja logisch.)

Vor über einem Jahr hab ich das Auto bestellt. (Und da jammern und schimpfen die Leute schon über ein paar lächerliche Monate Lieferzeit ihrer Autos.) Und heute, am Morgen des Montags, 25. Oktober 2021, hat man im Werk

„General Motors Bowling Green Assembly Plant, Home of the Chevrolet Corvette“

in den USA angeblich beschlossen, mir mein Auto endlich zusammenzubauen. Hier in Bowling Green, Kentucky, werden ausschließlich Corvette-Autos gebaut. Seit 1981. Eine von wahrscheinlich sehr wenigen Automobilfabriken, die nur ein einziges Auto zusammenbauen.

Erstmal hat man alle benötigten Teile zusammengesucht und dann am Band entlang bereitgelegt – und dann haben eine ganze Menge Leute und viele Roboterarme alle fleißig mit dem Zusammenbau begonnen. Ich hoffe nur, daß keine Teile, Schrauben, Schläuche, Zahnräder am Schluß übrig geblieben sind. Und daß auch sämtliche Chips vorhanden waren – und auch alle im Fahrzeug verbaut worden sind.

Bei dem aktuellen weltweiten Chipmangel mach ich mir ja schon ein paar Gedanken, ob alle notwendigen Computerchips vorhanden sind. Wo heutzutage schon Kosmetikeimer, Eierkocher, Zahnbürsten und überhaupt alles mögliche einen Chip implementiert haben. Und wenn die nur dazu da sind, um all diese Dinge sprechen lassen zu können. Das muß ja zur Knappheit bei anderen, wichtigeren, notwendigeren, lebenswichtigeren Produkten wie einer C8 führen. 🙂 Schließlich stand die Produktion im Werk deshalb schon einmal still. 

Drei Tage dauert es, bis so ein Auto fertig ist und den finalen Testlauf überstanden hat. Danach wird ein weißer Schlafanzug drübergezogen und das Auto wird in einen Container gefahren. Zwei Autos passen in einen 40-Fuß-Container. Und schon zwei Wochen später schwimmt es zusammen mit vielen anderen Autos bereits auf hoher See. Auf dem Ozean. Atlantik. Von der Ostküste nach Europa. Nein, nicht einzeln, is‘ doch logisch, auf ’nem Schiff! Einem ziemlich großen Dampfer. Ziel: Irgendein „kleinerer“ Seehafen in Holland. Hm, also nich‘ Rotterdam. Zeebrugge. So ’ne Schiffsreise soll so zwischen zwei und drei Wochen dauern. Plus nochmal zwei, drei Wochen, bis ich das Auto endlich beim Händler abholen kann. Oder, bei sehr schlechtem Winterwetter, vom Händler huckepack zu mir nachhause in meine Garage bringen lasse. Positiv gerechnet. So hat man es mir jedenfalls angekündigt.

Immerhin heißt es jetzt, Tage zählen. Ich zähl einfach mal von sechzig runter – und dann halt wieder rauf.

Vielleicht, mit viel Glück, wird es ein Weihnachtsgeschenk werden. Oder erst zur Fassenacht auftauchen. Oder zu Ostern. Aber Ostern 2022 ist ziemlich spät…

Auf jeden Fall ist diese Autobestellung die schlimmste und enttäuschendste in meinem gesamten Leben. Und ich hab bestimmt zig neue Autos in meinem Leben gekauft. Aber es ist ja zurzeit ganz allgemein schwierig, einen Neuwagen nach eigenen Wünschen zu konfigurieren und dann auch noch genau so mit den gewünschten Extras zu bekommen. Überall höre ich, daß man ein neues Auto am besten nehmen soll, wie es gerade irgendwo rumsteht. Das sind Zeiten…! Ich kann nur hoffen und wünschen, daß sich die Lage irgendwann mal wieder normalisieren wird. Allerdings, ich werde dann wohl eher nicht mehr davon profitieren und mir das Ganze von oben (vielleicht mehr oder weniger kopfschüttelnd) ansehen. Hier, bei dieser Corvette, sag ich mir jetzt immer öfter, hättest du doch nur deine süße, wunderschöne, sauschnelle, komfortable, blaue Corvette C6 behalten und nur nie die doofe C8 bestellt!! Schlimm: Fast alle Corvette-Verkäufer stellen sich gegenüber bestellthabenden Käufern im Moment lieber tot. Überall hört man davon. Im ganzen Land. Bestellungen von Interessenten nimmt man allerdings immer noch gerne an.

Inzwischen kenne ich natürlich sämtliche Testberichte auf YouTube. In- und auswendig. Ich stelle in diesen Videos immer wieder fest, wie unprofessionell da „getestet“ wird. Sogar von Frauen (hahaha)! Das Schlimme ist, daß solche Hochleistungsautos immer nur von Leuten getestet werden, die sich so ein Auto gar nicht leisten können. Und die deshalb meistens auch gar keine Ahnung haben. Außer vom Driften. Und vom Reifenzerstören! Mannomann! Oder die nur dumm rumlabern können. Wen interessiert schon die Zeit von Null auf hundert, solange sie bei um die drei Sekunden liegt? Oder das Geräusch der vier Auspuffrohre? Daß man sich in der heutigen Zeit noch darüber aufgeilen kann – oder aufregt, daß sie „zu leise“ sind. Bin ich wirklich der einzig übriggebliebene vernünftige Corvettefahrer???

 

Tagebuch:

November 2020: Ich bestelle eine Corvette C8 Convertible (= Cabriolet) Launch Edition in rot. Unverbindlicher Liefertermin „KW45/2021“.

Tag -60 (25.10.2021): Fast ein Jahr ist inzwischen vergangen. Mein Verkäufer teilt mir soeben mit, daß in den USA endlich mit dem Zusammenbau begonnen worden ist. Freue mich und rechne mir aus, daß noch ca. sechzig Tage bis zur Übergabe beim Händler vergehen könnten. Ich beginne einfach mal mit dem Countdown, also Übergabetag minus 60. Wenn dann noch ein paar Tage draufkommen sollten, auch nicht schlimm. Vielleicht geht es ja auch eher…

Tag -42 (12.11.2021): Erhalte gerade die verspätete Nachricht, daß es eine Fahrgestellnummer für mein Auto gibt. Diese soll mit meinem Namen verbunden sein. „It is projected to be built the car sometime in the week of October 25th“.  Soll ein sehr gutes Zeichen für eine „nicht mehr weit entfernte“ Auslieferung sein.

Tag -24 (30.11.2021): Bin gerade im thailändischen Dschungel und empfange folgende E-Mail meines Corvette-Verkäufers (Auszug): „…Soeben habe ich die Nachricht erhalten, dass Ihr Corvette Cabrio mit der Fahrgestellnummer XXX in der letzten Woche produziert wurde…“ Also nochmal fünf Wochen Verspätung! Mindestens! Fuck! Hatte die Kiste in meinen Träumen schon im holländischen Hafen gesehen. Ich sag’s ja schon die ganze Zeit: Die Administration des Herstellers ist unfähig! Frage mich, was da noch alles an Beschiß, Lügen und Hinhaltung kommt. Bin außerordentlich enttäuscht und trete vor Wut gegen einen unschuldigen Baum. Und entschuldige mich gleich wieder bei ihm. Mein rechter Fuß tut weh.

Tag -12 (12.12.2021): Mache mir Gedanken um eine mögliche weitere Verzögerung wegen der fürchterlichen Tornado-Katastrophe der letzten Tage in den USA. – Und bedaure von ganzem Herzen alle Menschen dort, die von dem dortigen Weltuntergang betroffen sind.

Tag -6 (18.12.2021): Lese gerade folgende Message im Netz: „Von dem Tornado sind in Bowling Green einhundertfünfzehn C8 irreparabel beschädigt worden, so dass diese verschrottet werden müssen. Nächste Woche soll die Produktion wieder aufgenommen werden.“ Antwort meines Verkäufers am nächsten Tag dazu: „Mir ist davon nichts bekannt. Ich gehe davon aus, dass Ihre Corvette im Laufe des Januars am Hafen in Holland ankommt.“

Tag 0 (24.12.2021): Nix. Absolut nix passiert! Rein gar nichts. Alles tot auf weiter Flur! Wie erwartet nichts gehört. Weder gut noch schlecht. Nehme mir zum wiederholten Mal vor, nie wieder in meinem Leben eine neue Corvette zu bestellen. Nie wieder!

Tag +18 (11.01.2022): Telefonische Auskunft auf meine Nachfrage. „Ja, Ihr Auto ist auf dem Schiff. Weiteres in Kürze.“

Tag +24 (14.01.2022): E-Mail meines Verkäufers von eben: „…heute habe ich das neueste Update der Lieferung erhalten. Das Schiff, auf dem Ihre neue Corvette steht, soll am 29.01. in Zeebrügge ankommen. Somit können sie von einer Auslieferung im Februar ausgehen…“ Wow, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder. Daumendrücken, daß der Dampfer unterwegs nicht noch in einen doofen Orkan gerät und untergeht. Oder daß mein Container dabei ins Wasser fällt. Auf jeden Fall wird es jetzt schon etwas schwieriger mit dem nachts ruhig Durchschlafenkönnen. Naja, zum Jubilieren dürfte es aber noch zu früh sein…

Tag +29 (19.01.2022): Bestelle mir schonmal die neuen Carbonlook-Nummernschilder mit der von mir vor einem halben Jahr reservierten Kennung. Will schließlich deswegen später keine Zeit verlieren müssen. Und die Halter dafür.

Tag +41 (31.01.2022): Vor zwei Tagen sollte der Dampfer mit meiner Corvette in Zeebrugge einlaufen. Eigentlich. Höre im Radio gerade die folgende Meldung: „13:19 Uhr. Vor der niederländischen Nordseeküste bei Ijmuiden etwa 30 Kilometer im Westen von Amsterdam sind zwei Frachtschiffe zusammengestoßen. Rettungskräfte seien im Einsatz, um zahlreiche Besatzungsmitglieder zu retten, teilte die niederländische Küstenwache mit. Die „Julietta D“ laufe voll Wasser. 18 Menschen an Bord müssten gerettet werden. Rettungsboote und Helikopter seien im Einsatz…“. Hoffe, daß es bei allem Bedauern um Menschen und Material nun nicht gerade mein Dampfer ist. Hatte es ja bereits die letzte Zeit genau so befürchtet. Würde echt gut in das Trauerspiel um mein Auto hineinpassen. Sehe in meiner Vorstellung „meinen“ Container gerade absaufen. Es guckt gerade noch eine Ecke aus den aufgewühlten Wellen heraus bevor er ganz verschwindet…

Und hier noch ein weiterer Einschub:   18.02.2022. Frachter „Felicity Ace“ war mit Autos für 200 Millionen Euro beladen. Die „Felicity Ace“ war nahe der Azoren Mitte Februar 2022 in Brand geraten. Der rund 200 Meter lange Frachter hatte knapp 4000 Fahrzeuge verschiedener VW-Marken geladen, darunter Modelle von Porsche, Audi, Bentley und Lamborghini. Die Fahrzeuge sollen mindestens einen Wert von 200 Millionen Euro an Bord gehabt haben.   Soo unbegründet war meine Sorge also gar nicht…

Tag +61 (20.02.2022): Nichts neues an der Corvette-Front. Habe auf meine Nachfrage nur eine nichtssagende Antwort erhalten. „Ihre Corvette ist gut im Hafen in Holland angekommen. Sie geht jetzt noch durch den Zoll und dann zur Spedition. Sollte anschließend in 1 bis 2 Wochen bei uns aufschlagen.“ Hahaha! Nein, heul + schluchz! Drecksladen! Alles Lügen! Nie mehr! Naja, so eine (künstliche?) Verknappung treibt die Preise kräftig nach oben. Es gibt schon astronomische Forderungen für eine sofort abholbare neue EU-Corvette. Nutzt mir aber nix, muß/will meine ja behalten. Stichwort „Fahrvergnügen“.

Tag +66 (25.02.2022): Entspannung macht sich breit. Habe gerade folgende Nachricht meines Corvette-Verkäufers erhalten. „… jetzt noch die gute Nachricht zum Wochenende. Soeben wurde Ihre neue Corvette bei uns abgeladen. Nächste Woche geht sie dann zur Übergabeinspektion durch die Werkstatt und wird anschließend endgereinigt. Dann steht einer Übergabe nichts mehr im Weg…“. Na endlich!

Tag +72 (03.03.2022): Hole heute das Auto ab und freue mich. Frau Sonne lacht mit mir. Fünfzehn Monate des Wartens sind damit endlich vorbei. „Happy end“ nennt man das, glaub ich. Und damit Ende, aus und over.

 

 

 

 

 

 

 

Trotz und alledem:   Corvette.  No question!

 

Keep the fire burning!